Der beachtliche Stammbaum meiner französischen Urgroßmutter Clara Heyraud - Cartier, die Großtante auf der bosnischen Briefmarke und der Palast des Jean Thierry in Venedig

Meine französischen Vorfahren waren bemerkenswerte Leute. Sie waren u.a. hohe Offiziere im Heere Napoleons. Wegen Frauengeschichten sollen sie einige Duelle ausgefochten haben.

Meine Urgroßmutter Clara Heyraud - Cartier (1858 - 1937) war verheiratet mit meinem Urgroßvater Hugo Kowarschik, Hofrat in der k.u.k. Armee. Er war im Generalsrang. Stationiert war er in Sarajewo, wo auch meine Großmutter Laurette aufwuchs. Der Vater meiner Urgroßmutter war Stefan Eugen Paul Heyraud (geb., 1830 in Nantes). Auch er war Offizier. Er wurde aus der französischen Armee ausgeschlossen, weil er einem Feldmarschall, der sich abfällig über eine Dame geäußert hatte, eine Ohrfeige gegeben hat. Er wanderte mit seiner Frau, einer geborene Cartier, nach Lausanne aus, wo meine Urgroßmutter geboren wurde. Er wurde schließlich Hauptmann der Schweizer Garde in Rom.

Dessen Vater war mein Urururgroßvater Romain Heyraud. Er hat, wie ich aus Dokumenten weiß, die mir das französische Heeresministerium zukommen ließ, den Afrika-Feldzug Napoleons mitgemacht. In der Schlacht  bei Castalla in Spanien wurde er schwer verwundet. Angeblich, wie einer meiner Onkel mir erzählte, mussten Heereschirurgen meinem Vorfahren ein Bein abnehmen. Damit er den Schmerz ertrage, biss der Unglückliche während dieser Operation auf eine Gewehrkugel, die man ihm in den Mund geschoben hat. Der Mann hat überlebt.

Nach dem mir vorliegenden amtlichen Dokument mit der militärischen Karriere von Romain H. wurde dieser zum Mitglied der französischen Ehrenlegion vorgeschlagen.

Interessant ist, dass Romain Heyraud Offizier einer Einheit war, die als Voltigeurs bezeichnet wurde, einer von Napoleon geschaffenen Eliteeinheit, der auch seine Leibgarde angehörte.

Hier der amtliche Überblick über die militärische Karriere Romains Heyraud:

Es wird erzählt, dass Romain Heyraud wegen Frauen einige Duelle gefochten hat.

Frauengeschichten dürfte auch sein Sohn Stefan Eugen Paul H. gehabt haben.

Die Mutter meiner Urgroßmutter hieß Jeanne Cartier, sie stammt aus der Familie Jacques Cartiers, des berühmten Seefahrers, der im 16. Jahrhundert Kanada im Namen des französischen Königs in Besitz genommen hat. An ihn erinnert ein Denkmal in Montreal. Bemerkenswert ist, dass mein Urururgroßvater Stefan Eugen Paul Hauptmann der Schweizer Garde im Vatikan wurde.

Sein Vater Romain Heyraud (geb. 1791), also der Großvater von Clara, war mit Comtesse Anna Liancourt verheiratet. Die Liancourts waren Herzöge und gehören zu den ältesten Geschlechtern Frankreichs.

Der Stammbaum meiner Urgroßmutter ist also beachtlich. Habe versucht, ihn in einer Linie, zu der auch Vorfahrinnen gehören, festzuhalten. Er beginnt, im Gegensatz zu den üblichen Stammbäumen, mit einem der Vorfahren und führt zu meinen Girtler- Nachkommen.

Von den keltischen Herzögen über die Heyrauds und Cartiers  in der Bretagne zu den Girtlers in Wien

So sah meine Urgroßmutter mit ca. 20 Jahren aus. Diese Kohlezeichnung stammt von R. Heyraud.
So sah meine Urgroßmutter mit ca. 20 Jahren aus. Diese Kohlezeichnung stammt von R. Heyraud.

Meine Urgroßmutter Laura Heyraud - Cartier wurde von ihrem Vater als Gouvernante zu einem ukrainischen Fürsten geschickt. Dort kam sie allerdings nie an.

Ihr Pass aus dem Jahre 1879, um in die Ukraine reisen zu können. Gebe hier die Kopie wieder (das Original ist abhanden gekommen)

In Wien machte sie Zwischenstation. Dabei lernte sie ihren Mann, meinen Urgroßvater kennen und lieben. An dem Tag des Kennenlernens herrschte in Wien Regenwetter. Dies war das Glück meines Urgroßvaters. Da meine Urgroßmutter keinen Regenschirm hatte, bot er ihr an, sie mit seinem Regenschirm zu begleiten. Daraus entstand eine große Liebe. Meine Urgroßmutter reiste nicht mehr in die Ukraine, sie blieb in Wien.  Schließlich heirateten die beiden.

Dieser Ehe entstammen meine Großmutter Laurette und ihre Geschwister Viktor und Claire.

Sie folgte ihrem Mann, meinem Urgroßvater Hugo Kowarschik, der im k.u.k. Kriegsministerium tätig war und der sich 1891 auf eigenen Wunsch hin zur neu geschaffenen Militär- und Telegraphendirektion nach Sarajewo, der Hauptstadt des von Österreich okkupierten Landes Bosnien und Herzegowina, versetzen ließ.

Meiner Urgroßmutter dürfte es in Sarajewo gefallen haben.

Es existiert ein Foto, das meine Urgroßmutter als ca. 45jährige Dame zeigt, aufgenommen in einem Atelier in Sarajewo. Sie war eine schöne Dame.

Ich gebe dieses Foto hier wieder:

Urgroßmutter Klara Heyraud - Cartier um 1900 im Sarajewo, sie war ca. 45 Jahre alt.

Rückseite des Fotos mit Klara Heyraud - Kowarschik, aufgenommen im:

Atelier  St. v. Ossko , Sarajewo

Rudolfgasse 3

Der Schriftzug "meine Mutter" stammt von Onkel Viktor, dem Bruder meiner Großmutter Laurette.

 

Meine Urgroßmutter war auch in späteren Jahren eine würdige und fesche Dame.

Davon zeugt dieses Foto, das Großtante Claire, sie war eine Kunstfotografin, um 1925 aufgenommen hat.

Die Großtante auf der Briefmarke

Tante Claire ist mit ihren Geschwistern in Sarajewo aufgewachsen.  Tante Claire besuchte mit meiner Großmutter Laurette  in Sarajewo die Volksschule des katholischen Frauenklosters "Weiße Schwestern".

Folgendes Foto zeigte meine Großtante Claire (1890 - 1959)  in bosnischer Tracht. 1913 hatte ein Kollege meines Urgroßvaters, der für die Briefmarken für die Militärpost zuständig war, diesen gefragt, ob seine Tochter Claire sich für eine Briefmarke in bosnischer Tracht fotografieren lasse. Das tat sie auch.

Dieses Foto wurde schließlich zur Vorlage für die am 15. 10. 1913 erschienenen vier Briefmarken (in blau, rot, grün und lila)  für Bosnien-Herzegowina.  Da man sich nicht entschließen konnte, welche Sprache man für die Briefmarken verwenden solle, ließ man sie unbeschriftet. Die Zahlen auf den Marken beziehen sich auf Heller. So sieht  die blaue Briefmarke mit meiner Großtante Claire aus1913  (ich besitze ein paar Bögen  diese Briefmarken):

Tante Claire ließ sich später in der "Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt" in Wien zur Fotografin ausbilden. Ich besitze einige schöne von ihr kunstvoll erarbeitete Porträtfotos.

Diese Tante war eine liebenswürdige Dame. Sie gehörte zu unseren Lieblingstanten. Wenn sie zu Besuch kam, freuten wir uns stets.  Tante Claire war eine noble und weitherzige Dame. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg lud sie regelmäßig drei Studenten, die vom Land in die Stadt zum Studium gekommen waren, an den Sonntagen zu einem guten Braten ein. Deren Eltern waren mit Tante Claire befreundet.  Die Studenten waren froh, sich einmal in der Woche anessen zu können.  Vor  Jahren lernte ich einen der drei Herren kennen, er war Chirurg in Bad Ischl geworden, kennen. Er erzählte mir von diesem Mittagessen.  Tante Claire hatte stets ein schönes weißes Tischtuch aufgelegt.  Wenn der Braten auf den Tisch kam, nahm meine Tante einen Löffel, langte in die Bratenschüssel , nahm etwas Sauce aus dieser und leerte den Löffel über dem weißen Tuschtuch aus.  Dem fügte sie hinzu: "Mahlzeit meine Herren, lasst es euch gut schmecken".  Nun holten die Herren etwas Fleisch samt Sauce aus der Schüssel, ohne darauf achten zu müssen, das Tischtuch zu beschmutzen.´

Ich denke in großer Verehrung an meine Tante zurück.

Ihre Tochter Hanni war uns Kindern gemeinsam mit ihrem Mann, dem Onkel Heinz, sehr zugetan.  Wir denken an schönen Stunden mit den beiden. Ihre Tochter Verena, also die Enkelin von Tante Claire, ist eine tüchtige Mittelschullehrerin.

Festzuhalten ist noch, dass 1914, bevor Österreich - Ungarn an Serbien den Krieg erklärte, mein Urgroßvater zum Kaiser gerufen wurde, da er ein guter Kenner von Sarajewo und überhaupt von Bosnien war.  Was er genau mit dem Kaiser gesprochen hat, darüber hat er niemandem etwas erzählt - getreu seinem Amtseide.  Als in Österreich die Republik ausgerufen wurde, hat er sich pensionieren lassen, da er auf den Kaiser vereidigt war und er nicht der Republik dienen wollte.  Mein Urgroßvater gehörte , wie mir Tante Claire erzählte, zu den vier "wirklichen Hofräten" der  Monarchie. Seinen Ruhestand verbrachte er mit meiner Urgroßmutter, die ihn sehr geliebt hat genauso wie er sie, in Wien, wo er 1934 starb.  Meine Urgroßmutter starb 1937. Beerdigt sind die beiden auf dem Stiftsfriedhof von Schlierbach, wo mein Großonkel Viktor Schmiedt Gemeindearzt war.

Onkel Viktor und die Zigeuner  (dieses Wort ist hier nicht abwertend gemeint)

Zu meinem Onkel Viktor, dem Bruder meiner Großmutter Laurette, fällt mir eine kleine Geschichte ein.  Einmal zog durch Schlierbach eine Gruppe von Zigeunern, die in der Nähe des Dorfes in einem Wald lagerten. Während der Nacht wurde mein Onkel durch einen Zigeuner geweckt, der ihn bat, mit ihm zu ihrem Lager zu gehen, wo eine Zigeunerin Schwierigkeiten bei der Geburt ihres Kindes hatte. Mein Onkel ging mit und half der Frau. Das Kind kam gesund zur Welt. Beide, Mutter und Kind, waren wohlauf. Die Zigeuner bedankten sich sehr bei meinem Onkel, der für seine ärztliche Tätigkeit auch kein Honorar von ihnen verlangte.  Nach ein paar Wochen zog eine andere Gruppe von Zigeunern durch den Ort. Mein Onkel stand gerade vor seinem Haus, als der Boss der Gruppe zu ihm kam und ihn fragte, ob er in diesem Haus wohne. Mein Onkel bejahte. Darauf meinte der Zigeuner, er, mein Onkel sei ein anständiger Mensch, der unter ihrem Schutz stehe.  Als mein Onkel fragt, warum er dies wisse, dass er ein anständiger Mensch sei, meinte der Zigeuner, durch ein Zeichen , einen so genannten Zinken, den die Zigeuner, die vorher hier waren, angebracht haben. Wie dieses Zeichen aussah, konnte mein Onkel allerdings nicht in Erfahrung bringen. 

(Übrigens: mein Onkel verfasste eine interessante Autobiographie, die ich vielleicht noch hier einbauen werde).

Der Schatz und der Palast des Jean Thierry

In dem folgenden , z. T. noch rätselhaftem Dokument (hier ist nur die 1. Seite wiedergegeben) aus der Familie meiner Urgroßmutter kommen u.a. folgende Vorfahren vor:   Baron Thierry, dessen Enkel Romain Hegesippe Herauld, der als Professor der Navigation in Nantes vorgestellt wird, und Stephan Eugene Paul Herauld, der Sohn von Romain. 

Dieses Dokument, das ich von meiner Tante Hanni, der Tochter von Großtante Claire, erhalten habe, dürfte sich auf eine interessante Geschichte beziehen, die hier kurz erzählt werden soll.  Mir hat sie Tante Claire vor vielen Jahren sehr anschaulich geschildert. Um 1600 war Jean Thierry (1579 - 1676), unser französischer Vorfahre, Diener eines reichen venezianischen Händlers. Während  einer Schiffsreise nach Südamerika rettete Thierry seinen Herrn bei einem Schiffsbruch. Letzterer war seinem Diener dafür derartig dankbar, dass er ihm seinen ganzen Besitz vermachte. Zu diesem gehörten viel Gold, Geld und ein Palast in Venedig. Als auch Thierry starb, wurden zwei Boten in Richtung Frankreich geschickt. um die Erben Thierrys von der Erbschaft zu informieren. Als diese beiden in einem Gasthaus auf ihrer Reise übernachteten, wurden ihnen während der Nacht von zwei Gaunern, die von der Geschichte wussten, die Erbschaftsdokumente gestohlen. Mit diesen Dokumenten zogen die beiden Bösewichte nach Venedig, um diese Erbschaft einzustreifen. Doch der Schwindel flog auf, die beiden wurden eingesperrt und der Doge von Venedig setzte sich in den Besitz des großen Vermögens des verstorbenen Thierrys.

Als Napoleon 1797in Venedig einrückte, ließ er kurzerhand auch das bewegliche Vermögen Thierrys ,Bargeld und Schmuck im Wert von 60 Millionen Goldfranken,  auf 22 vierspännige Kutschen verladen und von 3000 Soldaten nach Paris bringen. Napoleon sah sich dazu berechtigt, da Thierry Franzose war. Napoleon benötigte dieses Vermögen, um Krieg führen zu können.  Napoleon schrieb dafür den Erben Thierrys einen Schuldschein aus, den es angeblich noch gibt und der in einer Pariser Bank liegen soll. Jedenfalls versuchten die Erben Thierrys, darunter auch unsere Vorfahren zu diesem Vermögen zu gelangen, zuletzt im Jahre 1969, doch vergebens. Meine Tante Claire meinte früher schon, man könne gegen einen Staat keinen Prozess wegen des Geldes führen. Auch die österreichische Zeitung "Die Presse" vom 10.5. 1969  schrieb damals darüber, wie zu lesen ist;

Ich erhielt damals sogar einen Brief dieser  Erbengemeinschaft".  Ich gebe ihn hier wieder:

Auf meine Bitte hin zeichnete Tante Claire (ich glaube, sie war es) unseren französischen Stammbaum, der zu Jean Thierry führt, auf 2 Seiten auf.

Im Internet fand ich unter https://www.geni.com/projects/The-Jean-Thiery-Inheritance/23427 folgende Geschichte, die meine obigen Ausführungen ergänzt:

L'Héritage de Jean Thiery (1579-1676)

The "Jean Thiery" affair may be the oldest, most impressive, and 'open' inheritance case in history. This Geni-project aims to offer a historical and genealogical framework around this affair - including documentation. Available information on the Web seems sporadic and fragmented. This project may help to provide a permanent, publicly accessible repository - not with the intent to 'solve the case' but to provide insight in a most interesting affair. (The working language is English).

L'affaire "Jean Thiery" concerne l'histoire d'héritage probablement la plus durable, plus impressionnante et non-résolue dans l'histoire. Ce projet Geni cherche à pourvoir un encadrement historique et généalogique autout de cette affaire. L'information disponible sur la Toile semble spordaique et fragmentée. Ce projet pour fournir une base d'information permanente et accessible publiquement - non pas dans le but de 'résoudre' cette affaire mais plutôt dans le but d'informer le public au sujet de cas particulièrement intéressant. (Pour des raisons pratiques, la langue de travail est l'anglais).


Soweit die Geschichte um die Erbschaft des Jean Thierry.

Damals im Jahre 1969 ging ich dieser Sache nach.

Ich füge hier noch zwei schwer lesbare Notizzettel zum Thema zur Familie Thierry  von mir aus dieser Zeit hinzu:

So oder ähnlich dürfte der Palast des Jean Thierry, des geheimnisvollen Vorfahren, in Venedig  ausgesehen haben.
So oder ähnlich dürfte der Palast des Jean Thierry, des geheimnisvollen Vorfahren, in Venedig ausgesehen haben.

Wünsche den Lesern dieser Seiten das Beste und begebe mich auf eine weitere Erkundungsreise.